Unter Guido Kunzes Begleitern macht inzwischen das Wort die Runde: „Jetzt sind wir in den echten Dolomiten.“ Des Regenwetters und der tiefen Wolken wegen blieben die Postkartenansichten auf dem Weg von der Weinstraße ins Fleimstal in den Rosengarten oder aus den Sarntalern auf die Seiser Alm und den Schlern aus. Die Sextner Dolomiten wurden gar durch Streckenumplanung ganz gestrichen, und nur vom Kreuzbergpass aus konnte man die Sextner Sonnenuhr erahnen. Im Regen von Alleghe, vor der Übernachtung an der Civetta, von der einmal mehr nur die unteren 300 m zu sehen waren, und vor dem einzigen Sonnen- (vormit-) tag seit dem Obervinschgau, fiel deshalb der Satz: „Ich fühle mich gar nicht, als wäre ich in den echten Dolomiten.“ Seit dem gestrigen Nachmittag, in der Anfahrt auf den Passo Tre Croci, sind Guido Kunze und seine Begleiter nun in den „echten Dolomiten“, in und rund um Cortina d'Ampezzo, denn Cristallo, Sorapis und Tofane präsentieren sich, wie man sie von der Postkarte kennt.

Während Guido Kunze und sein Team zunehmend organisatorische Nachfragen aus Obereggen im Ski Center Latemar erreichen, ob denn alles nach Plan laufe und das Projekt in wenigen Tagen zu Ende gehe, entwickelte der Thüringer beim ersten Pass des zwölften Tages nachgerade Heimatgefühle. Die Forcella del Monte Rest nahe Tolmezzo erinere mächtig an den Brocken im Harz. Einschließlich des Wetters. Denn auch diesen Pass erklomm Guido Kunze im Nieselregen.

Der östlichste Punkt ist erreicht. Nur wenige Tage vor seiner geplanten Ankunft in Obereggen im Ski Center Latemar, genauer: am Reiterjoch ob Obereggen und zu Füßen des Latemar, hat Guido Kunze am Monte Zoncolan nicht nur einen der schwierigsten Anstiege, die der Straßenradsport kennt, gemeistert. Er macht nun auch kehrt nach Westen und wird via Cortina d'Ampezzo alsbald wieder Südtirol am Sellastock und dem Karerpass erreichen. Die Ankunft im Eggental ist auf Montag, den 24.08.2015 gesetzt worden.

Oberhalb der Südtiroler Weinstraße waren Gampenjoch (1522 m) und Mendelpass (1371 m) relativ rasch erklommen, als Guido Kunze am zehnten Tag seiner Tour durch die Alpen ins letzte Drittel startete, Starker Regen in der Nacht war am Morgen feuchter Straße, aber trockenem Himmel gewichen, eine Wiederholung des Vortags, der im Obervinschgau begonnen hatte. Nachdem der Thüringer die Etsch gequert hatte, brachte ihn die dritte Steigung des Tags oberhalb von Auer ins untere Fleimstal bei Kaltenbrunn und San Lugano (weitere rd. 700 hm bis auf gut 1000 m Meerehöhe).

Ein wenig rieben sich sowohl Guido Kunze als auch seine Begleiter die Augen, als sie nach dem Frühstück bei Sonnenaufgang den Blick vom Obervinschgau auf den Ortler richteten: klarer Himmel, Sonnenaufgang. Ja, Sonnen- (!) Aufgang. Nach drei Tagen in und unter Wolken mit der Sonne nur als ganz seltener Gast startete die neunte Etappe erstmals wieder bei angenehmem Radfahrwetter. Als wolle Südtirol, wo in knapp einer Woche die gesamte Tour im Eggental zu Füßen des Latemar zu Ende gehen soll, den Thüringer ermuntern, trotz der widrigen Bedingungen durchzuhalten.

Der achte Tag von der Provence nach Südtirol war so etwas wie die Königsetappe von Guido Kunzes Etappen-Ultramarathon. Nicht nur, weil sie etwa in der Mitte der Tour von Bédoin über den Mont Ventoux zum Reiterjoch von der Eggentaler Seite liegt. Auch, weil zu ihr gleich drei der klingendsten Namen des Giro d'Italia gehören: Mortirolo, Gavia, Stilfser. Der Vortag hatte schließlich im Hochtal von Livigno auf 1900 m geendet, weil der Thüringer triefnass bei unter 10°C von Berninapass und Forcola di Livigno erschienen war. Die Hoffnung, am Folgemorgen könnten Passo d'Eira (2211 m) und Passo del Foscagno (2294 m) zumindest von oben trocken bewältigt werden, erfüllte sich nicht. Beim frühen Frühstück hielt sich der Regen noch in Grenzen. Pünktlich zum Aufbruch goss es Hunde und Katzen.

Azzurro – strahlend blauer Himmel, als es vom Übernachtungsplatz im Obertessin über drei weitere Pässe wieder nach Italien ging, Richtung Ortler: San Bernardino (2068 m), Maloja (1819 m mit 1500 m Höhenunterschied) und Bernina (2330 m), nebst Splügen (2119 m) und Forcola di Livigno (2315 m) als „Ergänzungen“. Im ständigen Wechsel nördlich und südlich des Alpenhauptkamms begleitete strahlender Sonnenschein Guido Kunze auf seiner siebten Etappen durch den Alpenbogen nach Obereggen am Latemar.

So hatten sich das alle vorgestellt.

Oder eher erhofft, nach den Erfahrungen der Vergangenheit.

Nach einem angenehmen Auftakt in einen vielleicht vorentscheidenden Tag kann gesagt werden, dass die Entscheidung, das Programm radikal umzuschmeißen, sich zumindest vorläufig auszahlt. Guido Kunze kam zwar am Großen Sankt Bernhard (2473 m) in Nieselregen und hatte fast durchweg mit Regen, zum Teil sehr stark, zu tun. Aber die aufgetretene „Sollbruchstelle“ in Magen und Darm hielt. Zwar machte sich die im Moment schwächere Konstitution weiter bemerkbar. Doch das Tagesprogramm absolvierte er in etwa im Plan.

Jedes lange Projekt scheint den einen Abend zu brauchen, wo vieles in Frage steht. An Tag 5 von Guido Kunzes Tour ins Eggental und zum Reiterjoch war dieser Abend. Deshalb kommt auch der Tagesbericht erst am Folgetag. Es gab einiges und Kritisches zu besprechen und zu entscheiden.

Es sind noch Impressionen aus besseren Tagen nachzureichen.

Am Colle dell'Agnello 

 Guido Kunze am Col d'Izoard

Tag 3 von Guido Kunzes 100.000er Weg von der Provence ins Südtiroler Eggental begann mit zwei Hiobsbotschaften in der Nacht. Am Col de la Lombarde (2351 m) fuhr er nach Italien und in strengen Wind von vorn... sowie in die Ungewissheit, ob der danach anstehende Colle Valcavera, fast 2000 m über dem Stura-Tal in der Provinz Cuneo, der sich über den Colle Faunera (höchster Punkt, 2482 m) und den Colle d'Esischie ins Valle Maira, wieder rund 1800 m tiefer, fortsetzt, überhaupt „sauber“ befahrbar sein würde. Die wenigen verfügbaren Informationen ließen eventuelle Probleme – gar nachts – erwarten, aber nicht, dass die Serpentinenstraße auf der Abfahrt auf mehreren Ebenen des Abstiegs durch noch nicht wieder behobene Bergrutschschäden komplett fehlte und notdürftig durch fahrraduntaugliche aufgeschüttete Schotterplanierungen ersetzt worden war.

Der Start auf der Place du Général de Gaulle in Digne-les-Bains war um eine Stunde nach hinten verschoben worden, auf 01.00 Uhr in der Nacht zum Dienstag. Denn heftige Regenschauer hatten am Abend dafür gesorgt, dass bei der Nachtfahrt eine „Sauerei“ drohte. Der Versuch, möglichst viele Höhenmeter in 48 Stunden zu sammeln, endet also um 01.00 Uhr in der Nacht zum Donnerstag.

Ventoux-Rundkurs statt nur QuerungTag 1 auf dem Weg von Bédoin am Mont Ventoux nach Südtirol, zum Reiterjoch ob Obereggen war zwar von einem gutgelaunten und stark reintretenden Guido Kunze geprägt, aber ebenso von mehreren nicht gewünschten Umplanungen. An der Route du Ventoux, dem Radverleih und -laden, wo traditionell der gut 600 km lange Ultramarathon Raid Provence Extrême jedes Jahr im Mai startet, und der fleißig Kundschaft hatte, startete Kunze zunächst auf den Col de la Madeleine (458 m), ein kleiner Appetithappen auf dem Weg zum Mont Ventoux (1912 m). Dort kam er nahezu „erholt“ an, mischte sich kurzzeitig unter das bunte Treiben auf dem Gipfel des sogenannten Giganten der Provence, genoss die Aussicht Richtung Mittelmeer und Zentralmassiv... und sah erstmals die dichten Gewitterwolken Richtung Ost, die später noch eine Rolle spielen sollten.

Wiedersehen mit der Bonette2008 hatten die Parcoursmacher der Tour de France die Cime de la Bonette in den rd. 3550 km langen Kurs der Rundfahrt gestellt. 2008 fuhr Guido Kunze den Gesamtparcours als Ultramarathon ab, in ziemlich genau 9½ Tagen. Da erklomm er die Bonette erstmals. Am 11.08.2015 gibt es für Guido ein Wiedersehen mit dem 2802 m hohen Übergang in den Seealpen. Weil man in Frankreich dem eigentlich „nur“ 2715 m hohen Pass eine bloß touristische „Gipfelschleife“ zu einer Art Aussichtsplattform gegeben hat, wird die Bonette zum höchsten Punkt einer Tour, auf der er insgesamt centomila - hunderttausend Höhenmeter bergauf sammeln will, durch Seealpen, Savoyer und Piemonteser Hochalpen, durch Wallis und Graubünden, durch Tirol und zahllose Schleifen in den Südtiroler, Trentiner und Veneter Dolomiten. Gestartet wird am Morgen des 10.08.2015 am Mont Ventoux in der Provence, enden soll das Projekt nach 14 Tagen am Reiterjoch/Passo di Pampeago zwischen Eggental und Fleimstal in Südtirol.

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