Unter Guido Kunzes Begleitern macht inzwischen das Wort die Runde: „Jetzt sind wir in den echten Dolomiten.“ Des Regenwetters und der tiefen Wolken wegen blieben die Postkartenansichten auf dem Weg von der Weinstraße ins Fleimstal in den Rosengarten oder aus den Sarntalern auf die Seiser Alm und den Schlern aus. Die Sextner Dolomiten wurden gar durch Streckenumplanung ganz gestrichen, und nur vom Kreuzbergpass aus konnte man die Sextner Sonnenuhr erahnen. Im Regen von Alleghe, vor der Übernachtung an der Civetta, von der einmal mehr nur die unteren 300 m zu sehen waren, und vor dem einzigen Sonnen- (vormit-) tag seit dem Obervinschgau, fiel deshalb der Satz: „Ich fühle mich gar nicht, als wäre ich in den echten Dolomiten.“ Seit dem gestrigen Nachmittag, in der Anfahrt auf den Passo Tre Croci, sind Guido Kunze und seine Begleiter nun in den „echten Dolomiten“, in und rund um Cortina d'Ampezzo, denn Cristallo, Sorapis und Tofane präsentieren sich, wie man sie von der Postkarte kennt.

Klarer Himmel – von einigen harmlosen Wolken abgesehen – bedeutet aber auch kalte Nacht. Und deshalb war die Freude über einen aller Wahrscheinlichkeit nach gänzlich schauer- und regenfreien Tag ein wenig getrübt, als sich Guido Kunze auf sein drittletztes Teilstück auf dem Weg zum Reiterjoch ob Obereggen im Ski Center Latemar vorbereitete. Gerade einmal 6°C zeigte das Thermometer beim Frühstück kurz nach Sonnenaufgang, und damit vertrug sich die Erkältung, die ihm der Dauerregen der vergangenen Woche eingetragen hat, gar nicht. Optisch entschädigte eine Genussrunde von den „echten“ Cortineser Dolomiten ins Pustertal und zurück jedenfalls für den fröstelnden Beginn. Ein eher gemächlicher Aufgalopp über den Passo Cimabanche/Gemärkpass (1538 m, „nur“ knapp 400 m Höhenmeter) wurde gefolgt vom Furkelpass zu Füßen des Kronplatzes (1789 m, schon doppelt so viele Höhenmeter aus dem Pustertal). Anschließend wurde wieder einmal die Rennradkluft gewechselt, aber erstmals seit über einer Woche nicht von nass in trocken, sondern von Winter in Sommer. Kurzärmelig und mit Elan – wenn auch durch Erkältung mit weniger Energie als gewünscht – nahm der Thüringer dann den Passo Valparola (2202 m) in Angriff und legte über den Passo Falzarego (2106 m) in der Abfahrt auch gleich den Passo Giau (2234 m) noch nach.

Ein wenig getrübt wird die Freude über das endlich wieder freundliche Wetter auch von der Erkenntnis, dass am Ende viel wird gerechnet werden müssen. Durch den zweiten Rückschlag der Erkältung sieht es im Moment so aus, dass nicht alle Höhenmeter, die in Savoyen, Piemont und Aostatal dem Durchfall zum Opfer fielen, nachgeholt werden können. Der Höhenmeterpuffer, den die Marschtabelle verzeichnete, könnte also aufgebraucht, schlimmstenfalls mehr als aufgebraucht sein. Und Guido Kunze ist nach fast zwei Wochen im Sattel kräftemäßig nicht mehr in der Lage, nach Wunsch und Wille 1000-Höhenmeter-Pässe aneinanderzuschnüren. Eine Unwägbarkeit besteht schließlich in den Guinness-Rekordregeln, die da und dort sogar fordern könnten, nur „offizielle“ Passhöhenmeter einzurechnen. Das wird vermutlich noch Diskussionen erfordern.

Die vorläufige Auswertung ergibt aber auch unabhängig von den schließlich gewerteten Höhenmetern beeindruckende Zahlen. 1½ Tage vor Ende zu Füßen des Latemar hat Guido Kunze nicht weniger als 59 offizielle Pässe „erledigt“, vom im Rahmen seines Projekts fast vernachlässigbaren Col de la Madeleine (nein, nicht der „große“ zwischen Maurienne und Tarentaise, sondern der „kleine“ zwischen Bédoin und Malaucène am Mont Ventoux) von 469 m Meereshöhe bis zur Cime de la Bonette mit 2802 m über Normalnull. Jener „kleine“ Col de la Madeleine ist mit nur 150 hm ab Bédoin auch der niedrigste Hügel der Route. Am anderen Ende stehen das Timmelsjoch mit ca. 1900 hm ab St. Leonhard im Passeier, der Colle dell'Agnello mit ca. 1800 hm ab Sampeyre, der Große Sankt Bernhard und der San Bernardino mit ca. 1750 hm ab Saint-Pierre bzw. ab Lostallo. Dass der Monte Zoncolan und der Passo del Mortirolo die steilsten sein würden, war von Beginn klar. Doch einer der steilsten von den am Ende knapp 70 Pässen steht Guido Kunze noch bevor: der Schlussanstieg zum Reiterjoch im Ski Center Latemar ab Abzweig ins Eggental und via Obereggen: gut 1200 hm in nur knapp 12 km, also erneut ein Schnitt von gut 10 % Steigung.

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