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Ni hao lai deguo,

Der hinführenden Worte sind genug berichtet. Während der langen Vorbereitung sprachen wir noch vom „längsten Treppenlauf der Welt“ oder dem „irrwitzigsten Trail, den ein MTB je gefahren ist”. Schnoddriger Tonfall, der doch tüchtigen Respekt verschleierte. Heute nun war Guido erstmals drauf auf der Mauer. Ende der Halbheiten und Unsicherheiten. Ab heute gilt es.

Foto 1:  Traditioneller Tanz im Rahmen der feierlichen Verabschiedung in Projekt am Shanhaiguan

Foto: Christian Habel – Traditioneller Tanz im Rahmen der feierlichen Verabschiedung in Projekt am Shanhaiguan

Zunächst aber galt es, einen Empfang mit Verabschiedung ins Projekt zu durchleben, der es in sich hatte. Drei musikalische Darbietungen, traditioneller Tanz, örtliche Honoratioren, regionales TV, örtliche und regionale Presse. Alles war aufgeboten. Hätten noch Zweifel bestanden, dass die chinesische Seite die Angelegenheit ernst nimmt, heute wären sie beseitigt worden. Allerdings scheinen auch wir gezeigt zu haben, dass wir die Sache ernst nehmen, nicht ein Satz langnasiger Touristen mit einem schönen Fahrrad sind. Waren bei der Streckenbesichtigung gestern noch Sicherheitsbedenken allüberall gewesen, wenn wir wissen wollten, wo Guido denn hin dürfe, wo nicht, so wurde uns heute quasi jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Man hatte wohl erkannt, dass Guido kein Schausteller in eigener Sache ist, sondern auf dem Rad und zu Fuß wirklich etwas kann. Die Vertreter der örtlichen und regionalen Presse waren ganz hin und weg. Mit Guido und seinen Begleitern, sagte man uns, durften sie in Bereiche des Shanhaiguan, die sonst nicht einmal für Einheimische mit Anmeldung offen sind, geschweige denn für Touristen. Eine kalligraphierte Schriftrolle wurde Guido überreicht, die zwar von uns niemand lesen kann, die aber, versichert man uns glaubhaft, eine enorme Wertschätzung ausdrückt.

Foto 2: Radfahren auf der sanierten und aufgewerteten Mauer: in so gutem Zustand, dass ein Mountainbike gar nicht nötig wäre

Foto: Christian Habel – Radfahren auf der sanierten und aufgewerteten Mauer: in so gutem Zustand, dass ein Mountainbike gar nicht nötig wäre

Nach der beeindruckenden Zeremonie öffneten sich dann alle Tore des festungsartig ausgebauten und vollständig restaurierten Berg-Meer-Passes, angelegt vor fast 1000 Jahren und damit gut 300 Jahre älter als das gestern Besichtigte. Nach wie vor durften wir uns ein wenig wie VIP-Touristen fühlen. Danach wurde es für Guido ernst, und es zeigte sich, dass wir in Zukunft wohl nicht mit einer Tagesetappe, sondern mit mehreren Teiletappen pro Tag kalkulieren müssen. Unvorstellbar scheint es für unsere chinesischen Offiziellen zu sein, das Mittagsmahl zu überspringen. Die Teiletappen werden um es herumgruppiert, doch mangels Briefing am Abend wissen wir nicht, vermuten jedoch, dass es morgen und übermorgen und immer so weiter geht. Ebenfalls untergebracht werden muss augenscheinlich das Kulturprogramm, das unsere Begleiter uns angedeihen lassen. Heute wurde der Tempel der Meng Jiangnü besucht, eine Jungverheiratete, die der Legende nach ihren zum Bau der Großen Mauer zwangsrekrutierten Mann suchte und erst fand, als er schon aus Erschöpfung gestorben war. Ihre Trauerklage soll dann so heftig gewesen sein, dass 400 km Mauer gleich wieder einfielen, was den Kaiser auf sie aufmerksam machte, und sie wurde schließlich dessen Frau. Diese Legende gehört im übrigen zum immateriellen Weltkulturerbe.

Foto 3: Zu Fuß: Rad tragend auf dem Weg in den Yanshan, bei Anstiegen von 30° bis 50°)

Foto: Christian Habel – Zu Fuß: Rad tragend auf dem Weg in den Yanshan,
bei Anstiegen von 30° bis 50°)

 

Foto 4: Zu Fuß: Rad tragend auf dem Weg in den Yanshan, bei Anstiegen von 30° bis 50°)

Foto: Christian Habel – Zu Fuß: Rad tragend auf dem Weg in den Yanshan,
bei Anstiegen von 30° bis 50°)


Rund um Mittagessen und Kultur hatte dann die tatsächliche Strecke mit der beim Briefing vorgestern angekündigten nur noch begrenzt zu tun. Was nicht heißt, dass es einfacher wurde. Die nicht touristisch aufgewerteten Teile, die wir nördlich des Shanhaiguan betreten und Guido befahren durfte, stellten Mensch und Rad sofort vor eine Herausforderung, und die E.i Shock leistete gute Dienste... bis Anstiege jenseits 30° – über Treppen, aber auch teilweise über Geröll – zum Schultern des Lector nötigten. Zum Glück wiegt es kaum. Dass es ein ungewöhnliches Ultraprojekt werden würde, hatten wir schon gewusst. Guido schreibt jedoch vielleicht Ultramarathongeschichte: zum einen weil er überhaupt mit dem Rad auf die Mauer darf; zum anderen weil das wohl das erste Ultramarathon-Projekt mit mehreren Teiletappen pro Tag wird, das die Welt je gesehen hat.

Zaijian,Marco.

© Text und Bild Guido Kunze, Christian Habel, Marco Rühl.

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