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Ni hao lai deguo,

Mutianyu.

Heute war also die erste von zwei Hochburgen des Mauertourismus auf dem Programm. Nur etwa 20 km ist der knapp 3 km lange „touristisch erschlossene“ Abschnitt von den Gräbern der Ming-Kaiser entfernt, die zu bewachen er ab dem 14. Jh. ausgebaut wurde. Wie befürchtet verstanden am historisch wohl bedeutendsten, sanierten Mauerabschnitt die Wachtposten und Denkmalschutzoffiziellen – diplomatisch formuliert – keinen Spaß. Es gebe ein Gesetz, dass Fahrzeuge auf der Mauer verbiete. Und dazu gehöre auch ein Fahrrad. Alles Diskutieren half nichts. Dass das hunderte Kilometer, weiter östlich, nicht interessiert habe, stach als Argument nicht. Es bewahrheitete sich, was unsere chinesischen Begleiter gestern bereits andeuteten: Wo Denkmalschutz und Fremdenverkehr auf rd. 3 Mio. „Standardbesucher“ jährlich setzen können, sind sie deutlich fester einbetoniert in Vorschriften und Gewohnheiten, als das an den weniger bekannten Bereichen der Mauer der Fall gewesen war.

Foto: Christian Habel – Nachlese vom Bisherigen; Zuweg zur Mauer für Schwindelfreie im Bereich Taolinkou 

Foto: Christian Habel – Nachlese vom Bisherigen; Zuweg zur Mauer für Schwindelfreie im Bereich Taolinkou

Guido durfte also heute widerwillig einen Nur-zu-Fuß-Tag einlegen, der die Kilometerleistung senkt, nicht aber die Höhenmeter. Der Talgrund, von dem die heutigen Mauerabschnitt angesteuert wurden, liegt auf rund 320 m. Am höchsten Wachtturm des Tages zeigte die Garmin fenix ganze 1022 m über Meer. Nichts änderte sich daran, dass Fahrzeuge auf der Mauer verboten seien, auch in den Abschnitten Jiankou und Huanghua nicht, obschon diese weniger historisch-symbolisch sind als Mutianyu.

Auch vor der Hauptsaison gibt es schon reichlich Touristen auf den Mauerabschnitten nahe Pekings, plus die unvermeidlichen Verkäufer überteuerter Souvenirs. Die Touristen stellen für Guido eine neu Herausforderung dar. Zwar sind die heutigen Abschnitte im Vergleich zu dem, was er schon durch hat, angenehm breit, aber dennoch zeigt sich an jedem Wachtturm, dass Guido und der „Standardtourist“ unterschiedliche Zielstellungen haben. Während Guido – heute erstmals bei sonnigem und warmem Wetter – die Mauer trotz aller unvorhergesehenen Zusatzhindernisse genießt, und zwar laufend oder fahrend genießt, sind die „Standardtouristen“ in erster Linie zum Staunen hier. Bevorzugte Staunorte sind die Durchgänge von der Mauerkrone in den Wachtturm oder aus dem Turm auf die Krone. Dort staut es sich regelmäßig, und während das den anderen egal sein dürfte, bedeutet es für Guido Zeitverlust. Dieser ist auch abseits der touristischen Abschnitte nicht wettzumachen, denn kaum ist man draußen aus dem mit Seilbahnen und modernisierten Zuwegtreppen erschlossenen Bereich, sieht die Mauer bald wieder aus, wie Guido es von weiter östlich zur Genüge kennt.

Foto: Christian Habel – Nachlese vom Bisherigen; Bergauf auf der Mauer im Bereich Jinshanling, am Rande des touristischen Bereichs

Foto: Christian Habel – Nachlese vom Bisherigen; Bergauf auf der Mauer im Bereich Jinshanling, am Rande des touristischen Bereichs

Trotz Vorsaison, die bisher die ungeheizten Hotelzimmer erklärte, hatte das heutige, in Changping, funktionierende Heizung. Ironischerweise am ersten Tag, wo man diese bei rd. 10°C auch am Abend noch am wenigsten gebraucht hätte.

Am Vorabend des letzten Mauertags macht sich eine Stimmung von „wir haben’s geschafft, Guido hat’s geschafft“ breit. Viel kann morgen nicht mehr passieren; und auch wenn vieles in diesem Projekt schließlich anders wurde als geplant, überwiegt doch heute schon der Eindruck, dass da etwas Außergewöhnliches zu Ende geht, selbst wenn es schließlich nicht der längste, härteste oder gefährlichste Ultramarathon der Geschichte wurde. Das im positiven Sinne schrägste Ultra-Etappenprojekt, das Guido bisher angegangen ist, ist das hier auf jeden Fall; vielleicht das schrägste, das je angegangen wurde. Schräg, weil die Mauer überall schräg ist, oft bis zu 50°, machmal bis zu 60° steil. Schräg, weil noch kein Projekt so viel Verwaltungsvorbereitung brauchte, bis kurz vor Start in zentralen Punkten so unklar war. Schräg schließlich, weil wirklich noch niemand auch nur annähernd auf eine solche Idee an und auf der Mauer gekommen war.

Foto: Christian Habel – Nachlese vom Bisherigen; Wetterimpressionen an der Mauer im Bereich Jinshanling

Foto: Christian Habel – Nachlese vom Bisherigen; Wetterimpressionen an der Mauer im Bereich Jinshanling

Wir sind den Begleitern von der Behörde für auswärtigen Kulturaustausch Chinas dankbar für das Wohlwollen, mit sie das Projekt aufgenommen, vororganisiert und durchgeführt haben, selbst wo sie bei der Frage des Befahrens von Mutianyu oder Huanghua mit dem Rad offenkundig an ihre Grenzen stießen. Wir haben aber auch den Eindruck, so langsam sind die Herrschaften ganz froh, dass es zu Ende geht. Es hat, so scheint uns, einige Zeit gebraucht, bis ihnen klar war, dass das Ganze auch eine Werbung für die Mauer, eben gerade abseits der immer wieder touristisch hochgepushten Abschnitte, sein kann. Aber es wirkt auch manchmal so, als seien sie noch heute überrascht, dass dieser Trupp rund um Guido angereist ist, nicht um hier und da ein paar schöne Bilder zu schießen, sondern weil Guido wirklich möglichst viel Machbares machen will, zu Fuß oder auf dem Rad, aber eben wirklich Kilometer machen.

Wir sind gespannt auf den Abschluss, den die Behörde sich in Peking ausgedacht hat. Für morgen, Badaling, ist auch zugesichert, dass wieder gelaufen und geradelt wird.

Zaijian, Marco.

© Text und Bild Guido Kunze, Christian Habel, Marco Rühl.

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