
Ni hao lai deguo,
Gut 600 km Mauerstrecke, knapp 40 000 Höhenmeter, ungezählte Stufen und fast ebenso viele Zu- und Abstiege. Das sind die nackten Daten eines wohl noch nie da gewesenen Projekts, das Rad und Lauf auf ganz stufiger Strecke verbinden sollte und dabei auch für Chinesen Deutschland – oder doch zumindest Thüringen – interessant machen sowie für Deutsche die Große Mauer einmal breiter, nicht nur touristisch zeigen sollte.

Foto: Christian Habel – Unfreiwilliger Wachtposten für das Ghost Lector mit E:i Shock
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Mutianyu.
Heute war also die erste von zwei Hochburgen des Mauertourismus auf dem Programm. Nur etwa 20 km ist der knapp 3 km lange „touristisch erschlossene“ Abschnitt von den Gräbern der Ming-Kaiser entfernt, die zu bewachen er ab dem 14. Jh. ausgebaut wurde. Wie befürchtet verstanden am historisch wohl bedeutendsten, sanierten Mauerabschnitt die Wachtposten und Denkmalschutzoffiziellen – diplomatisch formuliert – keinen Spaß. Es gebe ein Gesetz, dass Fahrzeuge auf der Mauer verbiete. Und dazu gehöre auch ein Fahrrad. Alles Diskutieren half nichts. Dass das hunderte Kilometer, weiter östlich, nicht interessiert habe, stach als Argument nicht. Es bewahrheitete sich, was unsere chinesischen Begleiter gestern bereits andeuteten: Wo Denkmalschutz und Fremdenverkehr auf rd. 3 Mio. „Standardbesucher“ jährlich setzen können, sind sie deutlich fester einbetoniert in Vorschriften und Gewohnheiten, als das an den weniger bekannten Bereichen der Mauer der Fall gewesen war.
Foto: Christian Habel – Nachlese vom Bisherigen; Zuweg zur Mauer für Schwindelfreie im Bereich Taolinkou
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Drei Viertel der Projektstrecke sind heute um. Zwei, eigentlich nur noch 1,5 Tage auf der Mauer bis nach Badaling verbleiben, und danach der Transfer nach Peking zum Nationalstadion. Es ist Zeit, eine vorläufige Bilanz zu ziehen. Auch aus den Tagebucheinträgen in die Heimat spricht, dass neben der sportlichen Herausforderung, die bereits größer war als gedacht, viele logistische, sprachliche, interkulturelle Herausforderungen zu meistern waren.

Foto: Balanceakt auf der Mauer mit Rad auf der Schulter, aufgenommen mit Helmkamera auf der Etappe von Huangyaguan nach Jinshanling
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Halbzeit. Leider gab es gestern wieder keinen Tagebucheintrag, wegen Kommunikationspannen. Aber nach Tag 5 auf, an, in, unter der Mauer sind wir bei der Hälfte der veranschlagten Zeit und bei der Hälfte der direkten Strecke zwischen Qinhuangdao und Peking. Qianxi bis gestern, nun zwei Nächte Zunhua – so heißen die Städte, wo unsere chinesischen Betreuer uns Unterkunft besorgt haben. Nördlich von beiden liegt der Stausee Panjiakou. In den Bereich dieses Stausees hat sich Guido inzwischen vorgekämpft. Von der Vorstellung, dass „die Mauer“ so etwas wie ein im großen und ganzen durchgängiges Bauwerk ist, das da und dort eben nicht mehr gut in Schuss und im Verlauf der Jahrhunderte verschwunden ist, hatten wir uns ja spätestens an Tag 2 verabschieden müssen. Aber hier in den zum Teil recht zerklüfteten Tälern im Norden der Provinz Hebei scheint die Mauer schon vor Jahrhunderten nur abschnittsweise vorhanden gewesen zu sein.

Foto: Christian Habel – Orientierung am Garmin Edge im Zustieg zur Mauer im
Bereich Tiemenguan
Ni hao lai deguo,
Keine Zusammenfassung des zweiten Tags auf der Mauer, denn gestern war in der Unterkunft auf dem sprichwörtlichen platten Land keine stabile Internetverbindung zu kriegen. Der gestrige und der heutige Tag lassen sich aber gemeinsam behandeln, weshalb dieser „Tagebucheintrag“ länger wird.
All die Warnungen, es sei steil, es sei gefährlich, die Mauer sei nicht durchgängig, manchmal nur noch Geröll oder Erdwall, die es in der Vorbereitung gab, trafen nicht die Sache.
Es ist viel schlimmer.

Foto: Christian Habel – Guido im Steilaufstieg aus der Ebene ins Yanshan-Gebirge
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Der hinführenden Worte sind genug berichtet. Während der langen Vorbereitung sprachen wir noch vom „längsten Treppenlauf der Welt“ oder dem „irrwitzigsten Trail, den ein MTB je gefahren ist”. Schnoddriger Tonfall, der doch tüchtigen Respekt verschleierte. Heute nun war Guido erstmals drauf auf der Mauer. Ende der Halbheiten und Unsicherheiten. Ab heute gilt es.

Foto: Christian Habel – Traditioneller Tanz im Rahmen der feierlichen Verabschiedung in Projekt am Shanhaiguan
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am Vorabend der ersten Etappe macht sich Nervosität breit. Heute statteten wir der Mauer also unseren ersten Besuch ab. Der sogenannte Drachenkopf, das Meeresende der Ming-Mauer aus dem 17. und 18. Jhd. stand nicht pittoresk im Wasser wie auf zahllosen Bildern, sondern an Land, gleich neben einem gestrandeten Frachter, dessen weiterer Verbleib offenbar ungeklärt ist. Vielleicht auch deshalb war unseren chinesischen Begleitern das Fotografieren unlieb. Wir respektieren das.